Triebreduktionstheorien

 

Triebreduktionstheorien gehen von Trieben innerhalb eines Individuums aus, die eine Befriedigung durch die Umwelt verlangen
(bei Freud: 'ES'; bei Hull: Triebstärke * Anreizwert * Habit)

 


Motivationsmodell von Sigmund Freud

Die von Freud entwickelte Triebtheorie besagt, dass menschliches Verhalten durch Triebe [Trieb = zielgerichtete Verhaltensweise, die als angeboren erachtet wird] erzeugt und gesteuert wird. Triebe stellen dabei die psychische Energie dar, welche nötig ist, um Handlungen zu vollziehen bzw. Verhalten zu zeigen.

Exkurs: (Persönlichkeits-) Instanzenmodell

Freud unterscheidet die Triebe Eros und Thanatos, die ständig aktiv sind und somit nach einer ständigen Befriedigung streben.
Der Lebenstrieb ‚Eros’ [Eros = griech. Gott der Liebe] dient der Selbst- und der Arterhaltung z.B. durch die Aufnahme von Nahrung oder die Fortpflanzung.
„Als Lebenstrieb oder Eros will er Leben erhalten, vereinigen und immer größere Einheiten bilden.“ Rheinberg (2000, 33)
Der Todestrieb (Thanatos) beinhaltet den Trieb zu sterben. Freud war der Meinung, dass jeder Trieb darauf ausgereichtet sei, einen vorherigen Zustand wieder herzustellen (Freud: ‚anorganisch’). Da vor jedem Leben das Leblose steht, unterstellte Freud das Vorhandensein eines Todestriebes.
„Der Todestrieb will dagegen Einheiten zerstören, letztlich alles Belebte in Unbelebtes zurückverwandeln.“ Rheinberg (2000, 33)
„Das Ziel der Aggression dürfte wohl nicht der Tod und die ewige Ruhe sein, vielmehr scheint sie mehr dem Prinzip der Vereinzelung, Verselbständigung und Individualisierung zu dienen [...].“ Elhardt (2001, 31)

Diese Triebe entwickeln Kräfte: Libido [Libido = lat. für Drang, Begierde] ist die Kraftäußerung (Triebenergie) des Eros und Destrudo [Destrudo = lat. zerstören] stellt die Kraftäußerung des Thanatos dar.
Der Libido richtet sich nicht nur auf physiologische Bedürfnisse der Selbst- und Arterhaltung, sondern auch auf Lustvolles im Leben eines Menschen. Besonders geht Freud in diesem Kontext auf die Sexualität ein, die seiner Ansicht nach einen Großteil des menschlichen Strebens darstellt.
Das Bündeln der psychischer Energien der o.g. Kräfte auf Objekte oder Personen nennt Freud Kathexis.

Im Freudschen Motivationssystem spielen neben den Trieben auch die verschiedenen Persönlichkeitsinstanzen eine Rolle.

„Das Freudsche Motivationsmodell geht von endogenen Trieben aus, wobei der Trieb ein psycho-somatischer Grundbegriff (Leib-Seele-Einheit) ist: Wir können Triebäußerungen, z. B. den Hunger, einerseits physiologisch untersuchen [...], wir können sie aber auch vom psychologischen Aspekt her studieren [...].“ Elhardt (2001, 24)


Homöostatisches Motivationsmodell

Homöostase = Physiologisches Gleichgewicht; Stabilität eines Verhältnisses wie beispielsweise des Blutdrucks

Nach dem homöostatischen Motivationsmodell gilt:

Mangelzustand Bedürfnis Trieb zielgerichtetes Verhalten Zielhandlung Befriedigung des ursprünglichen Mangelzustandes

Beispiel:
Aufgrund eines Mangelzustandes (z.B. Nahrungsdeprivation) entsteht ein Bedürfnis bzw. wird ein Bedürfnis bewusst (z.B. Hunger). Das Bedürfnis wird durch den (physiologischen) Trieb nach Nahrungsaufnahme geleitet und führt zu einem zielgerichteten Verhalten (Nahrung suchen). Die Zielhandlung (Nahrungsaufnahme) befriedigt dann den Mangelzustand. Das Gleichgewicht (die Homöostase) ist wieder hergestellt.

Dieser Ablauf lässt sich durch die folgende Abbildung verdeutlichen:

Abb.: Homöostatischen-Denkmodell