
Der Kognitivismus versucht die Black-Box des Behaviorismus aufzudecken: Während im Behaviorismus Input und Output Beachtung finden, untersucht der Kognitivismus den Zwischenschritt, die Informationsverarbeitung.
Kognitivisten unterstellen häufig, dass der Behaviorismus den
Menschen als reaktives Wesen sehe. Da der Mensch sich jedoch aktiv in seiner
Umwelt bewegt und jeder Mensch anders auf Reize reagiert, sei der Mensch mit einer bloßen Reiz-Reaktions-Theorie nur sehr unzulänglich erfasst.
"Kognitives L. kann aufgefaßt werden als Informationsaufnahme und
-verarbeitung. Dieses L., an dem die Person aktiv beteiligt ist, führt
zum Aufbau einer kognitiven Struktur." Asanger
& Wenninger (1999, 395)
Bei gleichem Stimulus oder gleicher Reaktion sind unterschiedliche
Lernprozesse möglich. Dieser Gedanke wird im Behaviorismus völlig außer Acht
gelassen.
Beispiel unterschiedlicher Lernprozesse:
In einer Unterrichtsstunde erläutert der Englischlehrer einige Vokabeln zu
einer neuen Lektion.
A. versucht sich die Vokabeln durch Bilder zu merken ('to see = sehen: Ich stehe
vor einem See und sehe mir diesen an').
B. versucht Zusammenhänge zwischen der jeweiligen englischen Vokabel und der
deutschen Bedeutung zu finden ('to see = sehen: sehen').
C. sagt die Wortkombination so oft auf, bis er sie auswendig kann ('to see =
sehen, to see = sehen, ...').
Der Kognitivismus erhellt die Black-Box des Behaviorismus durch die Veränderung der kognitiven
Struktur. Er unterstellt Denken als die aktive Verarbeitung von wahrgenommenen
Reizen aus der Umwelt. Wie jedoch dieses 'Denken' abläuft (als die
neurologische Ebene) wird auch von Kognitivismus nicht vollständig einbezogen.
Demnach könnte man behaupten, das menschliche Gehirn bzw. die menschliche
Psyche stelle im Kognitivismus eine Black-Box dar.
Im Kognitivismus wird das Gehirn zu einem informationsverarbeitenden Gerät, vergleichbar mit einem Computer, das weniger darauf ausgerichtet ist, richtige Outputs (Antworten) zu produzieren, sondern vielmehr, richtige Methoden und Verfahren zur Problemlösung zu erlernen, durch deren Umsetzung eine oder auch mehrere richtige Lösungen erzielt werden ('Daten zu verarbeiten'). Es
geht also nicht um die zügige Produktion eines Ergebnisses, sondern um
den Erwerb von Strategien, um diese Lösung jetzt und in zukünftigen Situationen
zu bewältigen.
"Lernen im Sinne von Wissenserwerb kann als der Aufbau und die fortlaufende
Modifikation von Wissensrepräsentation definiert werden."
Krapp & Weidenmann (2001, 164)
Lernen am Modell bedeutet den Erwerb neuer Verhaltensweisen durch das
Beobachten eines Modells. Diese Theorie umfasst auch das Erlernen von völlig
neuen Verhaltensweisen.
Ein Beobachter (Lernender) beobachtet das Verhalten eines Modells. Dieses
Verhalten reproduziert der Lernende, indem er das Beobachtete nachahmt.
In der Praxis eine sehr häufig genutzte Form der Lernens. Jegliche
handwerkliche Fähigkeit wird über das Modellernen erworben.
Beim Lernen durch Einsicht gelangt ein Lernender zu einer neuen Verhaltensweise, indem er in einer Problemsituation sein Wahrnehmungsfeld umstrukturiert und dadurch zur Einsicht kommt, wie dieses Problem zu lösen sei.
Diese Art des Lernens impliziert ein Nachdenken über das Problem. Ein
Individuum sucht nach einer Lösungsmöglichkeit und variiert dabei verschiedene
Möglichkeiten im Geiste, um anschließend die sinnvollste Möglichkeit
auszuführen.
Das von Piaget stammende Entwicklungsstufenmodell beschreibt die
Entwicklung des Kindes. Nach Piaget durchläuft ein Kind vier wichtige Stufen,
die jeweils durch bestimmte Fähigkeiten gekennzeichnet sind.
Beim Entwicklungsstufenmodell handelt es sich nicht um eine Lerntheorie im
klassischen Sinne, sondern eher um Hintergrundinformationen, an denen andere
Lerntheorien anknüpfen können.
Im kognitiven Entwicklungsstufenmodell nach Piaget werden kleinere Entwicklungsstufen bzw. Zwischenschritte nicht
erfasst - wie gelangt das Kind nun zur nächsten Stufe? Durch biologisch-neuronale
Veränderungen?
Piagets Untersuchungen berufen sich ausschließlich auf die Beobachtungen seiner
Kinder. Es stellt sich die Frage, ob diese Beobachtungen empirisch fundiert sind.
Nicht jede relevante Veränderung ist nach Piaget auch Entwicklung: Was ist
beispielsweise mit dem Erwerb sozialer Kompetenzen? Ein Kind ist zwar ab der
Stufe der konkreten Operationen nicht mehr egozentrisch, weitere
Parameter des Erwerbs einer sozialen Kompetenz finden jedoch keine
Beachtung.
Der Wissenserwerb durch die Bildung von Begriffen stellt eine Weiterentwicklung des Piaget'schen Schemas dar: In der Umwelt wahrgenommene Ereignisse oder Gegenstände mit gleichen oder ähnlichen Merkmalen werden entsprechend gruppiert und als Begriffe in Klassen eingeordnet. Diese Klassen können mit dem Piaget'schen Schema verglichen werden.
Abb. 97
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Begrifflichkeiten werden in Klassen eingefügt und dort
miteinander verbunden - also in Beziehung zueinander gesetzt. Das eigentliche Denken bzw. Abrufen von Informationen erfolgt entlang der
jeweiligen Beziehung.
Diese netzartige Struktur des Wissens wird auch als Wissensstruktur oder Heuristik bezeichnet. Bei der Einsortierung in Klassen werden die Merkmale beachtet und entsprechend miteinander verknüpft. Im Laufe des Lebens kommt so eine unüberschaubare Menge an Begrifflichkeiten zustande, die durch die verschiedensten Verknüpfungen zig Bedeutungen haben können. "Der Mensch ordnet Ereignisse und andere Gegebenheiten seiner Umwelt, indem er Klassen bildet. Darin faßt er jeweils die Objekte und Ereignisse zusammen, die mindestens ein, meistens aber mehrere Merkmale gemeinsam besitzen." Mietzel (1998, 203) |
Wird neues Wissen in eine bestehende Klasse aufgenommen, so bezeichnet man
diese Integration als Elaboration. Anhand vorhandener Klassen (auch
Schemata) können neuartige Gegebenheiten verstanden und klassifiziert werden.
Beispiel: Wir erkennen ein verwinkeltes Haus als ein Haus, obwohl wir
noch niemals ein Gebäude dieser Art gesehen haben.

Eigene
Begriffe klassifizieren
Der kognitive Ansatz steht in enger Verbindung zum
Konstruktivismus, welcher
besagt, dass jedes Individuum ein individuelles und subjektives Bild seiner
Umwelt konstruiert. Aufgrund verschiedenster Erfahrungen entsteht so eine
kognitive Landkarte der Welt, welche das Individuum beeinflusst. „Und diese
Wirklichkeitskonstruktionen beeinflussen wiederum – und das unwillkürlich, was
dieses Individuum sieht, wie es das Gesehene bewertet, welche Verhaltenspläne es
entwickelt und wie es sich dann tatsächlich verhält.“ Bamberger (1999, 10)
Es gibt demnach nicht eine für alle gültige Wirklichkeit, sondern viele
subjektive und individuelle Wirklichkeiten.