Konstruktivismus

 

Der Konstruktivismus wird in dieser Lernumgebung als Teilbereich des Kognitivismus verstanden. Beide Richtungen haben zunächst eine sehr ähnliche Struktur: beide beschäftigen sich mit der Verarbeitung von Informationen, die im Behaviorismus in der Black-Box versteckt bleiben.

Der Konstruktivismus stellt bei diesem Verarbeitungsprozess aber besonders
- individuelle Wahrnehmung,
- individuelle Interpretation und
- individuelle Konstruktion
heraus.

Der Unterschied zum Kognitivismus besteht in den Problemgenerierung: Während im Kognitivismus das Lösen bereits vorhandener Probleme im Vordergrund steht, betrachtet der Konstruktivismus auch das eigenständige Generieren von Problemen.

D.h. im Mittelpunkt steht nicht wie im Kognitivismus der Verarbeitungsprozess aufgrund einer Wechselwirkung von Außenreizen und Informationsverarbeitung, sondern die Konstruktion einer individuellen und subjektiven Welt eines Individuums.

Wechselwirkung zwischen der externen Präsentation und dem internen Verarbeitungsprozess ab. Stattdessen wird der individuellen Wahrnehmung, Interpretation und Konstruktion eine wesentlich stärkere Bedeutung eingeräumt.

Konstruktivismus: jedes Individuum konstruiert ein individuelles und subjektives Bild seiner Umwelt.
Lernende konstruieren selbstständig neues Wissen durch einen aktiven Konstruktionsprozess.
Aufgrund verschiedenster Erfahrungen entsteht so eine kognitive Landkarte der Welt, welche das Individuum beeinflusst.

„Und diese Wirklichkeitskonstruktionen beeinflussen wiederum – und das unwillkürlich, was dieses Individuum sieht, wie es das Gesehene bewertet, welche Verhaltenspläne es entwickelt und wie es sich dann tatsächlich verhält.“ Bamberger (1999, 10)

Es gibt demnach nicht eine für alle gültige Wirklichkeit, sondern viele subjektive und individuelle Wirklichkeiten.
Paul Watzlawick hat den Konstruktivismus wie folgt zusammengefasst: "Untersuchung der Art und Weise, wie wir Menschen unsere eigenen Wirklichkeiten erschaffen."
Neben Watzlawick gelten Hans Aebli, Maria Motessori und teilweise Jean Piaget als Vertreter des Konstruktivismus.

Ein Teilbereich des Kognitivismus ist der Konstruktivismus, dessen Kernaussage wie folgt formuliert werden kann:
"Die Umwelt, so wie wir sie wahrnehmen, ist unsere Erfindung."
Kelly, ein Mitbegründer des Konstruktivismus nennt organisierte Erkenntnisse 'Konstrukte', wodurch der Begriff 'Konstruktivismus' abgeleitet wurde. Mit diesen Konstrukten meint Kelly das gleiche wie Jean Piaget mit seinen Schemata, die ständig erweitert und angepasst werden (vgl. Kelly G. A. (1986): Psychologie der persönlichen Konstrukte).

Auf dem Konstruktivismus beruhen zahlreiche aktuelle Schul-Didaktiken.
Zusammengefasst wird hierbei die Auffassung vertreten, dass Lernende von außen nicht oder nur sehr schwierig zu beeinflussen sind, da jedes Individuum über eine innere Struktur verfügt, welche das Lernen steuert und prägt.
Daraus resultiert, dass jegliche Einflussnahme (Schule, Therapie usw.) die individuellen (Lern-) Strukturen der Lernenden berücksichtigen muss.
Lernprozesse sollten so gestaltet werden, dass die Lerner möglichst frei in der Lernmethode sind und genügend Möglichkeiten haben, das neue Wissen in das vorhandene Weltbild einzuordnen bzw. zu neu zu konstruieren.

  Anregungen für konstruktivistische Methoden finden Sie bei:
Reich, Kersten (Hrsg.): Methodenpool. Internetadresse: http://www.uni-koeln.de/ew-fak/konstrukt/didaktik/

Aktuell wird die konstruktivistische Methodenlehre von Heinz Klippert aufgegriffen und praxisnah dargestellt (Literaturliste Heinz Klippert).

 
Lerntheoretische Modelle
(Übersicht zur besseren Differenzierung Kognitivismus und Konstuktivismus)
Quelle: Mair, Daniela (2005). E-Learning - das Drehbuch. Handbuch für Medienautoren und Projektleiter. Berlin: Springer.

Lerntheoretisches Modell Kernelemente
Instruktionales Lernen (anleiten, unterweisen) Passives, rezipierendes Lernen, kann auch Reiz-Reaktions-Lernen sein
Beispiel: Vokabelpauken anstatt Verständnis der Wortbildung einer Fremdsprache
Kognitivistisches Lernen (wahrnehmen, denken, erkennen) Informationsorientiertes Lernen, bei dem die Lerninhalte selbständig verarbeitet werden und nicht durch "Richtig/Falsch"-Meldungen konditioniert werden. Die Auswahl der Lernumgebung bzw. der Lernmedien richtet sich nach den individuellen Wahrnehmungs- Verstehens- und Verarbeitungsmustern der Zielgruppe.
Konstruktivistisches Lernen (erbauen, errichten) Aktives, selbst gesteuertes Lernen im problemorientierten, situativen Kontext; oft als sozialer Prozess; das Wissen wird nicht wie beim kognitionspsychologischen Ansatz transportiert, sondern der Lernende konstruiert seinen Wissenserwerb selbst; hinzu kommt der Anspruch, neues Wissen in multiplen Kontexten und unter vielfältigen Perspektiven zu erwerben und anzuwenden.